Femdom

Probezeit

Die Vereinbarung stand auf der Rückseite eines Lieferscheins, weil Dorothea in ihrer Töpferwerkstatt nie Papier fand, wenn sie es brauchte. Sie hatte sie mit Kugelschreiber verfasst, in ihrer energischen, leicht nach rechts kippenden Schrift:

Probezeit: vier Wochen. Kündigung jederzeit, von beiden Seiten, ohne Begründung.

„Das ist die romantischste Urkunde, die ich je unterschrieben habe", sagte Lorenz und setzte seinen Namen darunter. Er war zweiundvierzig, Statiker, und hatte sich nie im Leben für jemanden interessiert, der Ton an den Händen trug. Bis er im Frühjahr in ihren Laden gekommen war, um eine Schale zu kaufen, und vierzig Minuten später mit einer Einladung zum Kaffee wieder herausging.

„Regel eins", sagte Dorothea und wischte sich die Finger an der Schürze ab. „Du erscheinst, wann ich es sage. Regel zwei: Du sprichst, wenn ich dich frage. Regel drei?"

„Wenn ich Nein meine, sage ich Nein."

„Und?"

„Und du hörst es."

„Immer." Sie sah ihn an, und er merkte, dass sie das nicht als Formel meinte, sondern als Versprechen. „Gut. Dann zeig mir, was du kannst."

Die erste Woche bestand aus kleinen Dingen. Er kam um Punkt achtzehn Uhr und fegte die Werkstatt, ohne dass sie ihn darum bat. Er stellte ihr den Tee hin, in der Tasse mit dem Sprung, so wie sie ihn mochte. Sie ließ ihn warten. Sie ließ ihn lange warten, am Drehtisch, die Hände im Schoß, während sie ein Gefäß aufzog und er jeder ihrer Bewegungen folgte, als hinge sein Leben an der Rundung einer Vase.

„Du schaust zu viel", sagte sie am Ende des dritten Abends.

„Es gibt viel zu sehen."

„Das ist freche Antwort Nummer eins." Sie legte den Kopf schief. „Notiert."

In der zweiten Woche brachte sie ihm bei, die Hände ruhig zu halten. In der dritten, dass Geduld kein Mangel an Wollen war, sondern dessen Form. Am Donnerstag der dritten Woche stand er neben dem Brennofen, den Rücken gerade, und hörte sie sagen: „Heute wirst du nichts tun, außer zu atmen. Kannst du das?"

„Ich glaube schon."

„Das war keine Antwort."

„Ja, Herrin."

Sie trat hinter ihn und legte ihm die Hand in den Nacken, schwer und warm, noch mit einer Spur feuchten Tons. Er schloss die Augen. Sein Atem wurde länger, ohne dass er es lenkte. Es war, als hätte jemand in ihm einen Schalter gefunden, von dem er nie gewusst hatte.

„So", sagte sie leise. „Genau so."

Am letzten Abend der Probezeit holte sie den Lieferschein hervor, faltete ihn auseinander und legte ihn auf den Tisch.

„Ich habe über dich nachgedacht", sagte sie.

Lorenz wartete. Er hatte gelernt, dass Warten ein Handwerk ist.

„Du bist zu neugierig, zu vorlaut und manchmal zu schlau für dein Alter." Sie griff nach dem Kugelschreiber. „Ich habe selten jemanden gesehen, der so gut zuhört, wenn er nicht sprechen darf."

„Das klingt wie ein Zeugnis."

„Es ist eins." Sie schrieb etwas unter seine Unterschrift, drehte das Blatt und schob es ihm zu.

Unbefristet.

„Das darfst du nicht ablehnen", sagte sie. „Es sei denn, du willst."

„Ich will nicht", sagte er und musste lachen, weil seine Stimme brach. „Ich will gar nicht ablehnen."

„Gut." Sie nahm ihn bei der Krawatte und zog ihn zu sich heran, bis ihre Stirnen sich berührten. „Dann fang morgen früh um sieben an. Der Ton wartet nicht."

◆
CR
Clara Reuter

Schreibt über Kontrolle, Disziplin und Autorität mit Stil. Ihre Figuren führen ruhig, genau und mit einem Lächeln.

Das könnte dir auch gefallen

Femdom

Der Schlüssel in ihrer Hand

Während er in einem Leipziger Tagungshotel einen Vortrag halten muss, trägt sie den kleinen Schlüssel um den Hals und hat alle Zeit der Welt.

Clara Reuter · 3 Min. Lesezeit
Femdom

Das Kochstudio nach Feierabend

Sieben Gänge, ein Schürzenband und die Köchin Salome, die Gustav beibringt, dass wahre Hingabe nach Muskat schmeckt und niemals nach Eile.

Jule Wagner · 3 Min. Lesezeit
Femdom

Platzreservierung in Wagen neun

Vier Stunden Fahrt, ein reservierter Platz und eine Frau, die Viktor beibringt, dass man Befehle auch mit einem Reiseführer erteilen kann.

Mira Sommer · 3 Min. Lesezeit