Das Wort, das alles stoppt
Sie hatten zwei Stunden lang geredet, bevor irgendetwas passierte, und Nora fand, dass das der erotischste Teil des Abends gewesen war.
Auf dem Küchentisch lag ein Blatt Papier, beschriftet in ihrer ordentlichen Lehrerinnenhandschrift: Ja. Vielleicht. Nein. Drei Spalten, jeweils zwölf Zeilen. Tim hatte mit einem roten Stift Kreuze gemacht und an zwei Stellen etwas durchgestrichen, was ihm im Nachhinein doch zu viel war.
„Und wenn ich einfach zu aufgeregt bin?", fragte er.
„Dann sagst du es. Das ist auch eine Information."
„Und wenn ich nicht merke, dass ich etwas nicht mehr möchte?"
„Dann merke ich es für uns beide. Ich schaue dich an, die ganze Zeit. Ich bin nicht dazu da, dich zu übertreffen. Ich bin dazu da, dich aufzufangen."
Er lachte nervös. „Das klingt gar nicht so, wie ich mir eine Domina vorgestellt habe."
„Eine gute klingt genau so."
Sie einigten sich auf ein Safeword. Er wollte etwas Lustiges, sie bestand auf etwas Eindeutiges. Am Ende hieß es „Rotkehlchen", weil es weder zufällig fiel noch zu ernst klang, und weil sie beide wussten, dass sie es nie vergessen würden.
„Probe", sagte Nora. „Sag es einmal."
„Rotkehlchen."
„Und was passiert?"
„Alles hört auf. Sofort. Ohne Fragen."
„Und danach?"
„Reden wir." Er atmete aus. „Und du hörst nicht auf, mich zu mögen."
Sie legte ihre Hand auf seine. „Nie deswegen."
Später, als der Abend schon lange begonnen hatte, als er mit geschlossenen Augen vor ihr kniete und tatsächlich anfing, ruhiger zu werden, statt nervöser, sagte er plötzlich leise: „Rotkehlchen."
Nora hielt sofort inne. Kein Zögern, keine Enttäuschung, nur Wärme.
„Danke", sagte sie. „Das war richtig. Wie geht's dir?"
„Gut", flüsterte er und lachte, ein bisschen feucht um die Augen. „Ich wollte nur wissen, ob es wirklich funktioniert."
„Und?"
„Es funktioniert."
Sie holte eine Decke, setzte sich neben ihn und blieb so lange, wie er sie brauchte. Es war der Moment, in dem er sich zum ersten Mal wirklich sicher fühlte.